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Generalversammlung Swiss Horse Professionals SHP (23/05/2011)

Plädoyer für offenes, gemeinsames Wirken

An der Generalversammlung des Verbandes Swiss Horse Professionals (früher Verband der Berufsreiter und Reitschulbesitzer) am 23. Mai in der Reitanlage «Cavalli d’Oro» in Biberist wurde in offener, engagierter Diskussion einer Öffnung des Verbandes und dem Bestreben nach jeder möglichen Zusammenarbeit im Sinne der Vision «Pferd Schweiz» das Wort gesprochen. Dem Vorstand wurden einhellig diesbezüglich richtungsweisende Aufträge erteilt. Der SHP hat sich nicht neu erfunden, jedoch gewissermassen einen Neustart beschlossen.

«Es sollte den Vorstand freuen, würde an der Generalversammlung eine offene Aussprache stattfinden, die den Weg weist», hielt SHP-Präsident Herbert Brunner in seinem Jahresbericht zuhanden der ersten von ihm geleiteten ordentlichen Generalversammlung des Verbandes fest. Der Wunsch ging in Erfüllung, nachdem Brunner ohne Umschweife und Beschönigungen der Situation deutlich gemacht hatte, dass nun, nach einer Phase der internen Restrukturierung, der offene Blick in die Zukunft unumgänglich sei.

Existenzberechtigung ausser Frage
Um es vorweg zu nehmen: Niemand bezweifelte an der GV die Existenzberechtigung, bzw. die Notwendigkeit des SHP mit Blick in die Zukunft ernsthaft, obgleich diese Frage offen im Raum stand. Die Vorgeschichte, die der Standes-Organisation den Boden unter den Füssen wegzuziehen drohte, hatte mit der neuen Berufsbildungsgesetzgebung begonnen, die das Ausbildungs-Monopol des Verbandes gebrochen und den damit einhergehenden Finanzfluss der öffentlichen Hand zum Austrocknen gebracht hatte. Die Kompetenz für die Berufsbildung im Pferdebereich wurde der neu gebildeten Organisation der Arbeitswelt Pferdeberufe OdA übertragen, deren personell nach wie vor stärkstes Mitglied der SHP ist. Die Übergangsphase, über die im «Bulletin» laufend berichtet wurde und auf die hier deshalb nicht detailliert eingetreten werden soll, war geprägt vom Bemühen, Bewährtes und Neues in den durch das Gesetz neu gezeichneten Rahmen einzubringen, in einen Rahmen, der einerseits neue Möglichkeiten zuliess, andererseits traditionelle Standes-, bzw. Ausbildungstandes-Privilegien unterband. Ein Beispiel ist die den SHP besonders treffende funktionelle Abwertung des «eidgenössisch diplomierten Reitlehrers» durch die Delegation der Lehrlingsausbildung auch «nach unten», auf die Stufe des «Bereiters mit Berufsprüfung».
Ein erster Anlauf des damaligen SVBR, den Stier bei den Hörnern zu packen, hat zwar seine Spuren hinterlassen in einem neuen Erscheinungsbild mit neuem Namen: Swiss Horse Professionals, führte jedoch im Übrigen nicht an der Erkenntnis vorbei, dass nur eine Neuorientierung unter uneingeschränkter Berücksichtigung der Tatsachen im Hinblick auf die allem übergeordnete Zielsetzung Erfolg haben und damit die unabdingbare Existenz des Verbandes beweisen kann. Die denkwürdige ausserordentliche Generalversammlung vom 13. September 2010 war ein Fanal in der Geschichte des SHP. Die ordentliche GV vom 23. Mai 2011 die zwar erhoffte, doch keineswegs selbstverständliche Folgerung daraus. Die Quintessenz: Den SHP braucht es, und er hat den Weg aus dem Irrgarten der Entwicklung in die Zukunft gefunden.

Gemeinsam für die Sache
Der SHP sei eine Standesorganisation zur Wahrung der beruflichen Interessen seiner Mitglieder, die Dienstleister seien im Umfeld des Pferdes als Reitlehrer, Berufsreiter, Ausbildner, Arbeitgeber, Reitschulbesitzer, Pensionsgeber usw. Mit diesen Worten leitete Herbert Brunner sein Plädoyer für eine Öffnung des Verbandes ein auch für Leute, die andere als die klassischen Ausbildungswege beschritten haben. So nannte er beispielsweise die Vereinstrainer oder landwirtschaftliche Pensionsgeber mit Sachkundenachweis sowie Absolventen der fachspezifischen berufsunabhängigen Ausbildung im Sinne von Art. 197 TSchV (Absolventen von Equigarde und vergleichbaren Lehrgängen). Auch konnte Herbert Brunner berichten, die Zusammenarbeit mit der OdA habe sich erfreulich entwickelt. Beide Seiten seien nun überzeugt, dass die einvernehmliche Kooperation im Interesse der Beteiligten (Auszubildende und Lehrmeister) und auch der Sache (zukunftsweisende Berufsausbildung) unabdingbar sei. Kräftig unterstützt wurde er von SHP-Vizepräsident Ernst Voegeli. «Wir sind ein kleines Land mit einer entsprechend überschaubaren Pferdewelt. Doch statt gemeinsam das Ziel anzustreben, zerfleischen wir uns gegenseitig. Das kann doch nicht sein. Wir müssen uns öffnen», mahnte Voegeli. In der folgenden, engagiert, jedoch sachlich geführten Diskussion trat breites Einvernehmen im Sinne des Vorstandes zutage, sodass dieser schliesslich einer Konsultativ-Abstimmung den klaren Auftrag entnehmen konnte, in dieser Richtung zu wirken.
Ebenso deutlich folgte die Versammlung dem Vorstands-Vorschlag, den Horse Quality Index zwecks Überarbeitung vorläufig zu sistieren. Präsident Herbert Brunner hatte eingangs zu diesem Thema festgestellt, das Interesse bei den Mitgliedern an diesem Index sei sehr gering, und einer wertvollen flächendeckenden Zertifizierung müssten teilweise andere Kriterien zugrunde gelegt werden wie beispielsweise Ausbildung, Methodik, Didaktik usw. Einig war man sich, dass die Überarbeitung vorläufig zugunsten anderer Aktivitäten des Verbandes zurückgestellt werden soll.

An Aufgaben fehlt es nicht
Wenn auch die Verantwortung für die Berufsbildung offiziell nicht mehr beim SHP liegt, hat er  diese doch weiterhin mitzutragen im Sinne einer konstruktiven Mitgestaltung mit dem Ziel «Pferd Schweiz». «Der SHP muss beispielsweise die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mitgestalten und mit einer politischen Lobby im Verbund ‚Cheval Suisse’ den parlamentarischen Entscheidungsprozess im Voraus mitbestimmen», sagte Herbert Brunner. Berufliche und wirtschaftliche Überlegungen hätten die SHP-Mitglieder anzustellen bei der Revision des Raumplanungsgesetzes und zur Pferdehaltung in der Landwirtschaftszone. Als Dienstleister habe der SHP seinen Mitgliedern beizustehen in verschiedensten  Belangen. Als grösstes Mitglied der OdA habe er sich einzubringen als Wahrer und Verfechter der bestmöglichen klassischen Ausbildung. Die immer wieder gehörte Frage, welchen Sinn es mache, sowohl bei der OdA als auch beim SHP Mitglied zu sein, stelle sich bei genauerer Betrachtung eigentlich gar nicht, manifestierten sich doch die Gegenleistungen zum Teil gar in Franken und Rappen (beispielsweise bei gewissen Kursen) deutlich, war an der GV zu hören. Auch Derek Frank, der als Stellvertreter von OdA-Präsident Patrick Rüegg an der SHP-GV teilnahm, unterstrich die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit und legte beispielsweise mit Blick auf den Berufsbildungsfonds die Notwendigkeit eines mitgliederstarken SHP dar.
Quelle: HIS


Referat: Tendenzen im modernen Parcoursbau
Als Referent zu diesem Thema war Parcoursbauer Rolf Lüdi vorgesehen. Dieser musste sich jedoch kurzfristig krankheitshalber abmelden. So sprang spontan der internationale Parcoursbauer Gérard Lachat ein. Er appellierte an die Lehrlings-Ausbildner, ihre Bereiter Lehrlinge wenn möglich an Parcoursbauer Kurse zu schicken. Da die Ausbildung zum Parcoursbauer aufwändiger (vor allem in zeitlicher Hinsicht) geworden sei, mangle es an Neueinsteigern.
Die Tatsache, dass Turniere vermehrt auf Sandplätzen ausgetragen werden, habe zur Folge, dass gutes Bauen auf kleineren Plätzen stärker gefragt sei, führte Lachat weiter aus. Auch könnten topografische Gegebenheiten weniger genutzt werden. Enger zu bauen heisse auch technischer zu bauen, wobei bis zu einer Höhe von 1.20 m nicht mit den Distanzen gespielt werden sollte. Im modernen Parcoursbau würden Farben grössere Beachtung beigemessen, und allgemein sei Abwechslung gefragt.
In der Diskussion kam natürlich das neue Reglement zur Sprache, das, wie Bruno Kalt es ausdrückte, den Spielraum des Parcoursbauers stark einschränke. Es sei festzustellen, dass insbesondere bei den 100 cm-Prüfungen viel zu viele Nullfehler-Umgänge resultierten, womit auch die nötige Relegation in die nächst höhere Stufe nicht im erwünschten Masse gewährleistet sei. Ein progressiver Parcoursbau bis zu 105 cm würde hier Abhilfe schaffen. Ein Ausweg wäre, so führte Lachat aus, höher auszuschreiben und einen Teil niedriger zu bauen. Dies führe, so wurde entgegengehalten, zu kleinen und daher für den Veranstalter unattraktiven Feldern. Quintessenz der Diskussion: Das Jahr vorbeigehen lassen und daraus die Lehren zu ziehen.