Ausserordentliche Generalversammlung des SHP
Pragmatische Arbeit anstelle von Visionen
Nun sei pragmatische Arbeit angesagt. Visionen müssten in den Hintergrund rücken. Dies sagte der zum neuen Präsidenten des Verbandes Swiss Horse Professionals (SHP) gewählte Dr. iur. Herbert Brunner an der ausserordentlichen Generalversammlung des Verbandes in Ins. Neu setzt sich der Vorstand noch aus dem Präsidenten und fünf Mitgliedern zusammen. Im Führungsgremium ist nur noch ein ehemaliges Vorstandsmitglied vertreten. Unmissverständlich wurde festgehalten: «Den SHP braucht es auch in Zukunft.»
Die ausserordentliche Generalversammlung des Verbandes Swiss Horse Professionals (SHP) – früher Schweizerischer Verband für Berufsreiter und Reitschulbesitzer (SVBR) – wird als denkwürdig in die Geschichte eingehen. Entscheidende Weichen für die Zukunft des SHP wurden gestellt, nachdem sich durch das neue Berufsbildungsgesetz teilweise völlig neue Perspektiven ergeben hatten. Indem dem SHP die offizielle Verantwortung für die Berufsbildung durch den Gesetzgeber aus der Hand genommen und der Organisation der Arbeitswelt Pferdeberufe (OdA) übertragen wurde, sah sich der Verband einerseits vor die Aufgabe gestellt, sich in der Pferdebranche neu zu positionieren. Andererseits erwuchs daraus in Sachen Verbands-Finanzen eine schmerzliche Remedur, indem keine Bundesgelder mehr flossen. Die früheren Erfolgsrechnungen im wahrsten Sinne des Wortes wurden rasch zum Gegenteil, und das Verbandsvermögen schmolz dahin wie Butter an der Sonne. Der ehemalige Verbandsvorstand nahm die Entwicklung nicht einfach hin, leistete sehr viel auf der Suche nach einem gangbaren Weg. Nun, nach der ausserordentlichen Generalversammlung, ist dieser Weg beschlossene Sache.
Ein Dienstleistungsunternehmen
In Zukunft will sich der SHP als Dienstleistungsunternehmen profilieren. Es betrifft dies einerseits Dienstleistungen im Bereich Berufsbildung (klassische Reiterei) in Zusammenarbeit mit der OdA (dessen grösstes Mitglied der SHP ist). Andererseits sollen bereits bestehende Dienstleistungen für die Verbandsmitglieder nach Möglichkeit ausgebaut oder neue geschaffen werden. Rechtsberatung, Beratung in Betriebs- und Existenzfragen, in Fragen des Baurechts, bei der Realisierung von Sanierungsprojekten, die Schaffung vorteilhafter Einkaufsstrukturen sind einige Stichworte. Die Mitglieder sollen im Marketing unterstützt werden, beispielsweise mit dem ebenfalls bestehenden, jedoch in der Handhabung zu vereinfachenden Horse Quality Index. Die bereits neu gestaltete Homepage soll besser bewirtschaftet und damit ihr Beachtungsgrad erhöht werden, wobei Dienstleistungen wie beispielsweise die Stellenbörse eine markante Aufwertung erfahren werden. Zusammengefasst: Der SHP will sich als starke Berufsorganisation klar positionieren, attraktiv für seine jetzigen und für neue Mitglieder. Die zur Verfügung stehenden Mittel – das sind die auf bisheriger Höhe belassenen Mitgliederbeiträge – erlauben zwar keine visionären Projekte, jedoch bei sorgfältig kalkuliertem Einsatz eine sowohl den Mitgliedern als auch dem gesamten Pferdesport nützliche Gegenleistung.
Die neue Führungsequipe
Der neu gewählte Vorstand des SHP ist anzahlmässig kleiner und besteht mit einer Ausnahme auch aus neuen Leuten. Nach 18 Jahren hat Hermann Mäder das Präsidium an Dr. iur. Herbert Brunner übergeben, einem 1949 geborenen Mann, der Jurisprudenz und Betriebswirtschaft studiert hatte, in Solothurn zusammen mit Partnern eine Advokatur, ein Notariat und eine Wirtschaftsberatung betreibt, seit 20 Jahren Pferdebesitzer ist und auch eine Reitanlage besitzt und betreibt. Er wird ein Gremium leiten bestehend aus in der Pferdebranche bekannten Leuten: Kurt Blickenstorfer (Gampelen), Gérard Lachat (Bellelay), Corinne Rapold (Grüningen), Sascha Stauffer (Sulgen) und Ernst Voegeli (Interlaken). Es ist eine Crew, die sich zweifellos in jeder Beziehung bestens ergänzt, Erfahrungen und grosse Fachkenntnis in allen den SHP betreffenden Belangen mitbringt und auch altersmässig gut durchmischt ist. Der neue Vorstand tritt seine Aufgabe mit viel Enthusiasmus und in vollem Bewusstsein um die hohen, auch von viel Idealismus getragenen Anforderungen an. Herbert Brunner fasste dies mit den Worten zusammen: «Die Zukunft wird steinig und beschwerlich sein, aber auch eine faszinierende Herausforderung.»
Geschichte geschrieben
«Ihr habt Geschichte geschrieben», sagte das SHP-Mitglied und Präsident der Oda, Patrick Rüegg zu den abtretenden Vorstandsmitgliedern. Er sprach insbesondere von den schwierigen und ausserordentlich fordernden Jahren des Überganges zur neuen Berufsbildungsordnung. «Nun müssen wir auf zwei Gleisen weiterfahren, und ich versichere allen mein grosses Bestreben nach guter Zusammenarbeit.» Betreffend höherer Ausbildung bis und mit Reitlehrer stellte Patrick Rüegg für kommenden Frühling eine umfassende Information und für die zweite Jahreshälfte bereits erste Module in Aussicht.
Hermann Mäder, der zum Ehrenpräsident ernannt wurde, führte zu seinem und seines Vorstandes Rücktritt unter Anderem aus, im SHP sei zwar nicht selten auch mit harten Bandagen gekämpft, seien Meinungen mit Vehemenz vertreten und engagierte Diskussionen geführt worden, doch habe man jeweils einen Konsens gefunden. Allgemein jedoch lasse die Zusammenarbeit im Pferdebereich noch zu wünschen übrig. Wörtlich führte er aus: «Mit der Bereitschaft, bei Meinungsverschiedenheiten gleich einen neuen Verein zu gründen, kommen wir nicht weiter. Wir Rösseler müssen noch lernen, allgemein besser zusammenzuarbeiten und andere Meinungen zu prüfen, bevor man sie ablehnt.» Und Markus Rhyn, der langjährige Ausbildungschef, der jetzt Ehrenmitglied des SHP ist, meinte schmunzelnd: «Ich weiss, dass es immer wieder hiess, der Verband habe einen lieben und einen bösen Präsidenten. Jetzt kann ich wieder der sein, der ich bin, eigentlich ein lieber Kerl.»
HIS.

