Letzte LAP unter der Ägide des SHP
Eine Ära ist zu Ende – nichts ist neu zu erfinden
[HIS] Mit der letzten Lehrabschlussprüfung für Bereiter und Pferdepfleger unter der Ägide des Verbandes Swiss Horse Professionals (SHP), früher Schweizerischer Verband für Berufsreiter und Reitschulbesitzer (SVBR), vom 21. bis 25. Juni in Avenches ist eine Ära zu Ende gegangen. Die Kernkompetenz des SHP, die Verantwortung für die Berufsbildung, ist nun definitiv bei der Organisation der Arbeitswelt Pferdeberufe (OdA), was zwar nicht das Ende, jedoch eine Neuorientierung und teilweise –strukturierung des SHP bedeutet.
59 Bereiter-, 34 Pferdepfleger- und vier Rennreiter-Lehrlinge traten im IENA in Avenches zur Lehrabschlussprüfung an, zu einer anspruchsvollen Woche, in der sie in Theorie und Praxis auf Herz und Nieren geprüft wurden. Es war der letzte Jahrgang, der die dreijährige Ausbildung noch nach «altem System» in der Verantwortung des Berufsreiterverbandes absolviert hatte. 48 Bereiter, 28 Pferdepfleger und drei Rennreiter bestanden die anspruchsvolle Prüfung und sind nun im Besitze eines eidgenössischen Fähigkeitsausweises.
«Wir sind stolz»
Vom Montag bis Freitag waren die Prüflinge hart gefordert. Acht bis neun Klassen waren parallel im Einsatz, und zum festlichen Abschluss in der geschmückten Reithalle des Betriebes von SHP-Präsident Hermann Maeder in Neuenegg kamen mit Anhang rund 280 Personen zusammen. Es war ein fröhliches Fest, wenngleich es auch den Abschluss einer Ära bedeutete. «Wir sind stolz. Die Leute haben viel gelernt und können mit gutem Gefühl ins eigenständige Berufsleben entlassen werden», sagt Hermann Maeder. Und auch Ausbildungschef Markus Rhyn, der dieses verantwortungsvolle Amt während 16 Jahren ausübte, zeigt sich zufrieden, obwohl mit rund 18% die Durchfallquote im Vergleich zu den letzten beiden Jahren recht hoch war. Es habe schon immer zum Teil erhebliche Schwankungen zwischen den Jahrgängen gegeben, erinnert er sich. Auffallend diesmal sei allerdings ein Rückgang der Qualität im schulischen Bereich.
Markus Rhyn betont, die Lehrabschlussprüfung sei sehr fair gewesen. «Die Bereiter konnten sechsmal (je dreimal Springen und Dressur) auf guten Pferden reiten, was einer objektiven Beurteilung sehr förderlich ist. Ich spreche auch an dieser Stelle allen einen grossen Dank aus, die so gute Pferde für die LAP zur Verfügung gestellt haben.»
Kein einfacher Übergang
Das 2004 in Kraft gesetzte neue eidgenössische Berufsbildungsgesetz brachte auch in der Pferdebranche gewaltige Umwälzungen, die noch heute für viel Diskussionsstoff sorgen. Wenn ein während sehr langer Zeit bewährtes System in grundlegenden Fragen wie derjenigen der Verantwortlichkeit im Ausbildungsbereich geändert wird, ist das ein tiefer Schnitt, dessen Heilung und schöne Vernarbung viel Zeit erfordern. Für den SHP bedeutete er nichts weniger, als das Heft aus der Hand zu geben, obschon dieser Verband in der neuen, federführenden und dem Gesetzgeber direkt verantwortliche Organisation der Arbeitswelt Pferdeberufe die zahlenmässig stärkste Säule darstellt. Es ist aber nicht nur die Organisationsstruktur, die Wellen wirft. Es sind auch gewisse Rahmenbedingungen im Ausbildungsbereich. So ist beispielsweise das Prinzip, wonach nur ein «Meister» (eidg. dipl. Reitlehrer) Lehrlinge ausbilden darf, nicht mehr relevant, womit auch der Meisterlehrgang und damit der Titel in herkömmlichem Sinn nicht mehr existieren. Dass in der Pferdebranche zumindest eine modifizierte Zusatzausbildung zum Bereiter mit Berufsprüfung (früher Bereiter 1) Bedingung für die Lehrlingsausbildung ist, kommt einer mit dem Gesetzgeber ausgehandelten «Ausnahmeregelung» gleich. Die Frage, ob und allenfalls inwieweit sich die ganze Umstellung generell auf die Ausbildung im Pferdebereich auswirkt, lässt sich heute noch nicht schlüssig beantworten. Erfahrungswerte fehlen noch, und selbst der Übergang vom alten zum neuen System ist noch keineswegs in allen Fragen auf allen international relevanten Levels vollzogen. Diese Situationsschilderung in wenigen Sätzen kann natürlich der gesamten Problematik (auch im finanziellen Bereich) keineswegs gerecht werden. Es würde jedoch viel zu weit führen, an dieser Stelle in die Details zu gehen. In einem Punkt jedenfalls sind sich alle einig: Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Die Grundsätze der klassischen Reitweise und Ausbildung müssen und werden auch künftig unverändert oberste Maxime sein. Markus Rhyn formuliert dies so: «In der Hoffnung auf eine positive Weiterentwicklung muss der neuen Organisationsform eine Chance eingeräumt werden. Das Ziel muss die seriöse Weiterverfolgung der klassischen Reiterei sein. Diesbezüglich kann und muss nichts Neues erfunden werden.»
Quo vadis SHP?
Die Berufsbildung ist insofern nicht mehr seine Domäne, als er nicht mehr als Verband dafür die Verantwortung trägt und damit auch nicht mehr federführend ist (was auch erhebliche finanzielle Konsequenzen hat). Die Sonderstellung der unter seinem Dach organisierten eidg. diplomierten Reitlehrer entfällt, weil sie in dieser Form und teilweise auch Funktion gar nicht mehr vorgesehen sind. Der Anreiz, einen adäquaten Titel auf dem nach früherer Ordnung höchsten Level zu erreichen, wird mit der diesbezüglichen Aufwertung des Bereiters mit Berufsprüfung zweifellos schwinden. Wie soll es also weitergehen mit dem SHP?
Das ist eine zentrale Frage, mit der sich dieser Verband nicht erst seit heute auseinandersetzt. An seiner Existenzberechtigung zweifelt zwar niemand, ist doch ohne ihn auch die OdA kaum denkbar. Aber dieser Verband muss ja auch seine Identität bewahren, Anreize für eine Mitgliedschaft bieten und damit eben zum Teil ganz neu schaffen. Auch daran wird seit geraumer Zeit mit Hochdruck gearbeitet. Das in den letzten zwei Jahren radikal geänderte Outfit des Verbandes mit neuem Logo, neuem Namen, moderner Website sind augenfällige Zeichen. Intensive Arbeit wird auch im Hintergrund geleistet. Es geht darum, künftige Aufgaben des Verbandes zu definieren und konzeptionell zu gestalten. Als Beispiel zu nennen ist der bereits weitgehend gediehene Horse Quality Index, ein Marketing-Instrument für Mitglieder, das gleichzeitig der Qualitäts-Verbesserung im Bereich Pferdehaltung dienen soll. Dienstleistungen wie Stellenvermittlung, Rechtsberatung, allgemeine Vermarktung stehen oben auf der Prioritätsliste. Aber auch Möglichkeiten im Ausbildungsbereich, die über das gesetzlich Vorgeschriebene hinausgehen, also beispielsweise Zusatzausbildungen auf höchstem Niveau und die Erschliessung neuer Betätigungsfelder stehen zur Debatte.
Baldige Klärung
Die letzte ordentliche Generalversammlung des SHP im Frühling in Genf hinterliess noch ein etwas diffuses Bild, waren doch gewisse Vorhaben und Pläne durch die laufende Entwicklung zumindest in Frage gestellt worden. Insbesondere der finanzielle Aspekt dieser Entwicklung liess deutlich werden, dass auch die gesamte Struktur des Verbandes dringend einer grundlegenden Überprüfung bedarf. So zeigte sich denn nach ausführlicher Debatte als einzig gangbarer Weg, die Mitglieder nach zwischenzeitlich vorzunehmenden weiteren Abklärungen am 13. September 2010 in Ins zu einer ausserordentlichen Generalversammlung wieder zusammenzurufen. Diese Versammlung wird die definitive Klärung bringen müssen, wie der Weg in die Zukunft des SHP aussehen wird. Ohne vorgreifen zu wollen kann doch bereits heute vorausgesagt werden, dass diese ausserordentliche GV wohl als eine der bedeutendsten Weichenstellungen in die langjährige Geschichte des Verbandes eingehen wird. Und nicht nur das: sie wird auch offenlegen, wie wichtig es ist, das über allem stehende Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, selbst wenn dies sehr grosse Flexibilität und auch Opfer fordert. SHP-Präsident Hermann Maeder stellt dazu unmissverständlich fest: «Ein Schattenverband wollen wir nicht sein. Das würde niemandem etwas bringen. Einfach das Handtuch zu werfen und den SHP aufzulösen ist mit Blick auf das Ganze ebenfalls keine Option. Also dürfen wir keine Möglichkeit ausser acht lassen, auch künftig tatkräftig mitzuwirken und beizutragen zu einer guten Weiterentwicklung einer guten Sache, die sich Pferdesport nennt.» Die Situation erlaube es einfach nicht, so führt Maeder weiter aus, dringend benötigte Kräfte mit kleinkarriertem Gefeilsche um Einzelpositionen zu verschleissen. Allerdings sei auch angezeigt, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und wenn nötig Kurskorrekturen vorzunehmen.
Bilder der LAP
Wir gratulieren zur bestanden Prüfung:
Bereiter
Amport Andrea | Hadorn Nicole | Morand Kristel |
Berger Amandine | Hauri Isabel | Mosimann Laurie |
Bianchin Monica | Hofer Manuela | Mühlethaler Manuela |
Billaud Lisa-Maria | Horn Sascha | Müller Nico |
Bläuer Catherine | Jaberg Mirjam | Prem Janine |
Brahier Joelle | Känel Martina | Reber Raphaella |
Brunner Pascal | Knobel Nadine | Scheidegger Marion |
Charrière Samuel | Kousz-Koch Brigitte | Scherrer Iris |
Donski Natalie | Krähenbühl Larissa | Schierscher Gabriela |
Duc Karim | Leclerc Mylène | Schneider Guy |
Eggel Caroline-Amalia | Maeder Joél | Schramm Kaya |
Enderli Nadine | Malzacher Melanie | Schulthess Ramona |
Erni Denise | Matt Annelise | Siebenhörl Petra |
Eugster Ramona | Mattei Sabrina | Tandler Fabienne |
Eugster Sandra | Matter Jeanine | Ulmann Manuela |
Grumetter Ricarda | Moos Roland | Van den Berg Samira |
Pferdepfleger
Albrecht Salome | Keller Tanisha | Rogenmoser Ricarda |
Baumgartner Manuela | Knutti Susanne | Scherrer Jasmin Luise |
Bühler Michèle | Lüthi Doris | Schwarz Alexandra |
Descloux Edwina | Mahler Sarah | Walliser Ruby Anna |
Egli Jennifer | Matzinger Corina | Werder Silvia |
Finardi Florian | Monney Christine | Wildbolz Clea |
Gallusser Penelopé | Müller Miriam | Wyler Judith |
Iten Pius | Müller Sabrina | Zanolari Jessica |
Kälin Nicole | Paroz Laeticia | |
Keller Nicole | Reist Dania |
Rennreiter
Eberle Debby | Herren Noëmi | Offner Andrea Nadja |
